Die Logistik zählt zu den zentralen Wachstumsmotoren der deutschen Wirtschaft. Mit einem prognostizierten Branchenumsatz von rund 331 Milliarden Euro im Jahr 2024 ist sie laut BVL der drittgrößte deutsche Wirtschaftsbereich. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor steigender Komplexität, Fachkräftemangel und Effizienzdruck. Besonders deutlich zeigt sich das in der Intralogistik, wo Prozesse auf engem Raum und unter hohem Takt stattfinden.
Zwar werden Warenströme global digital getrackt, doch innerhalb der Unternehmen zeigt sich oft ein anderes Bild. Manuelle Transportabläufe, papierbasierte Kommissionierung und fragmentierte IT-Lösungen dominieren den Alltag. Der Wille zur Automatisierung ist vorhanden. Der Weg dorthin bleibt jedoch für viele unklar.
Warum gute Ideen oft nicht umgesetzt werden
Technisch ist heute bereits viel möglich. Fahrerlose Transportsysteme, Pickroboter, intelligente Fördertechnik oder KI-basierte Steuerungslösungen können Prozesse wie Bedarfsplanung und Routenoptimierung erheblich verbessern. Nicht, weil die Technologie fehlt, sondern wegen hoher Anfangsinvestitionen, unklarer Amortisationszeiten und fehlendem Know-how. Die Folge ist, dass Potenziale ungenutzt bleiben, aus Angst vor Komplexität, Kosten und langwieriger Umsetzung.
Wie Low-Code neue Wege öffnet
Hier setzen Low-Code-Plattformen an. Unternehmen können eigene Anwendungen erstellen, Workflows automatisiert abbilden, Prozesse schrittweise digitalisieren und müssen nicht sofort die gesamte Logistik umstellen. Anders als klassische Standardsoftware, die oft teuer ist und häufig nicht mit anderen Systemen kommuniziert, lassen sich mit Low-Code-Lösungen Abläufe flexibel integrieren. Excel-Tabellen, Insellösungen und Datensilos werden reduziert, Prozesse werden transparent und effizient. Mit einem Low-Code-Ansatz lässt sich die Intralogistik agil digitalisieren, Schritt für Schritt, automatisiert, kosteneffizient und an die eigenen Anforderungen angepasst.
Pilotprojekte als Einstieg
Um die Vorteile in der Praxis zu realisieren, bietet sich besonders in bestehenden Strukturen ein Einstieg über gezielte Pilotprojekte an. Ein Beispiel ist der innerbetriebliche Warentransport. Ein mittelständisches Logistikunternehmen kann ganz einfach seine Intralogistik schrittweise digitalisieren.
In der ersten Pilotphase wird eine Low-Code-Anwendung zur Steuerung der Transportaufträge zwischen Wareneingang, Lager und Kommissionierplätzen eingesetzt. Transportaufträge werden digital erfasst, Fahrer erhalten optimierte Routen und Lagerbestände aktualisieren sich in Echtzeit. Die Ergebnisse zeigen sich schnell: weniger manuelle Koordination, verkürzte Durchlaufzeiten, höhere Transparenz und eine deutliche Reduzierung von Fehlern. Dank offener, skalierbarer Schnittstellen kann das System später modular erweitert werden.
In einer zweiten Ausbaustufe lassen sich Pick-by-Light-Systeme, teilautonome Kommissionierroboter oder weitere Automatisierungslösungen integrieren, ohne dass bestehende Prozesse erneut angepasst werden müssen. So entsteht eine zukunftsfähige, flexible Infrastruktur, die mit den Anforderungen des Unternehmens wächst.
Gezielte Analyse als Grundlage
Bevor digitale Anwendungen oder Automatisierungslösungen implementiert werden, ist eine fundierte Analyse der bestehenden Prozesse entscheidend. Wo entstehen Engpässe und welche Aufgaben sind monoton, fehleranfällig oder besonders ressourcenintensiv? In der Intralogistik liegen genau dort oft die größten Effizienzpotenziale. Ein systematischer Analyseprozess, idealerweise begleitet von externen Technologie- oder Beratungspartnern, hilft, den optimalen Einstiegspunkt zu finden, Fehlinvestitionen zu vermeiden und Pilotprojekte gezielt auszurichten.
Dabei lohnt es sich, den Blick nicht nur auf einzelne Standorte zu richten. Erst wenn Prozesse über die gesamte Wertschöpfungskette verzahnt sind, entfaltet Digitalisierung ihr volles Potenzial. Entscheidend ist, wie gut Mitarbeitende und Partner digital eingebunden werden. Nur mit durchgängigen, verlässlichen Datenschnittstellen lassen sich Warenströme in Echtzeit effizient steuern, Prozesse transparent abbilden und die Intralogistik nachhaltig optimieren. Eine sorgfältige Analyse legt damit das Fundament für erfolgreiche Pilotprojekte, modulare Erweiterungen und langfristige Prozessautomatisierung.
Nachhaltige Intralogistik entsteht Schritt für Schritt
Die Herausforderungen der Intralogistik lassen sich nicht mit einzelnen Technologien oder kurzfristigen Maßnahmen lösen. Entscheidend ist ein Ansatz, der Komplexität reduziert, bestehende Strukturen berücksichtigt und schrittweise nachvollziehbaren Mehrwert schafft. Low-Code ermöglicht genau diesen Weg: Prozesse werden dort digitalisiert, wo der Nutzen unmittelbar spürbar ist, ohne die gesamte Organisation zu überfordern. Unternehmen, die ihre Intralogistik systematisch analysieren, Pilotprojekte gezielt aufsetzen und digitale Lösungen modular weiterentwickeln, schaffen die Grundlage für nachhaltige Automatisierung. Nicht Geschwindigkeit ist dabei der entscheidende Faktor, sondern die Fähigkeit, flexibel zu reagieren und Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln.




