Arbeitszeitkonto: Vorteile und Nachteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Die tägliche Arbeitszeit ist bei Arbeitnehmern in der Regel im Arbeitsvertrag geregelt. Doch in manchen Branchen mit saisonalen Spitzen ist das Arbeitsaufkommen nicht immer gleich hoch. Ebenso haben Arbeitnehmer das Bedürfnis, ihre Freizeit individuell zu planen. Die Lösung kann ein Arbeitszeitkonto sein, das jedem Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewisse Vorteile, aber auch Nachteile bringt.

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    Definition: Was ist ein Arbeitszeitkonto?


    Der Begriff „Arbeitszeitkonto“ beschreibt ein Prinzip aus der Zeitwirtschaft. Es ist vergleichbar mit einem Bankkonto, nur eben für die Arbeitszeit. Arbeitnehmer können von sich aus ein Zeitguthaben ansparen, aber auch Minusstunden ansammeln, wenn sie vorübergehend weniger Arbeitsstunden leisten, als vertraglich vereinbart. Das hat eine Steigerung der Zufriedenheit und Motivation zur Folge, weil sie ihre Arbeitszeit flexibler handhaben können.

    Arbeitszeitkonto: Vorteile für den Arbeitgeber


    Aber auch Arbeitgeber profitieren von der Regelung. Sie können beispielsweise das Arbeitspensum ihrer Beschäftigten zeitweise erhöhen, um die Produktivität der Belegschaft für eventuelle Produktionsspitzen zu erhöhen. In der Regel geschieht die Zeiterfassung digital, also mithilfe einer Zeiterfassungs-Software und mobilen Endgeräten wie Laptop, Handy und Tablet, sie darf aber auch handschriftlich auf einem Stundenzettel gemacht werden.

    Was ppasiert mit dem Arbeitszeitkonto im Falle einer Kündigung?

    Welche Arten von Arbeitszeitkonten gibt es?


    Grundsätzlich unterscheidet man bei der Mitarbeiter-Zeiterfassung in Arbeitszeitkonten zwischen Kurzzeit- und Langzeitkonten. Kurzzeitkonten erfassen eine individuelle Zeitspanne zwischen einer Woche und einem Jahr, innerhalb der das Arbeitszeitkonto ausgeglichen werden muss. Bei Langzeitkonten steht die gesamte Lebenszeit des Arbeitnehmers in Fokus. Dabei geht es darum, Zeit zu sammeln, um diese für längere Pausen im Erwerbsleben, wie etwa ein Sabbatical, anzusparen, oder einen früheren Eintritt in die Rente zu ermöglichen.

    Kurzzeitkonten, Langzeitkonten, Gleitzeit und Funktionszeit


    Ein weiteres Arbeitsmodell ist die Gleitzeit. Bei der einfachen Gleitzeit darf ein Arbeitnehmer in einem bestimmten Rahmen über Arbeitsbeginn und Arbeitsende selbst bestimmen. Bei der qualifizierten Gleitzeit entscheidet er selbst, an welchen Tagen er wie lange arbeitet und wann eventuelle Fehlzeiten ausgeglichen werden. Ein ähnliches Prinzip liegt auch der Funktionszeit zugrunde, die in Teams zum Tragen kommt, die gemeinsam und autonom ein bestimmtes Ziel erreichen müssen. Hier wird team-immanent koordiniert, wer wann wie lange arbeitet oder eben freimacht. Nicht der einzelne Arbeitnehmer zählt hier, sondern das gemeinsam erreichte Ziel.

    Das Arbeitszeitkonto bietet viele Vorteile für Arbeitnehmer – zum Beispiel werden Überstunden darin aufbewahrt
    Das Arbeitszeitkonto bietet viele Vorteile für Arbeitnehmer – zum Beispiel werden Überstunden darin aufbewahrt

    Was ist bei Arbeitszeitkonten zu beachten?


    Für die Einführung eines Arbeitszeitkontos ist eine gesetzliche Grundlage notwendig, also entweder eine Betriebsvereinbarung, bei der ja der Betriebsrat ein Mitspracherecht hat, eine Ergänzung im Arbeitsvertrag oder ein Tarifvertrag. Bei entsprechenden individuellen oder betriebsspeziellen Vereinbarungen ist es wichtig, dass wenigstens grundlegende Rahmenbedingungen wie die maximalen Plus- oder Minusstunden und der Ausgleichszeitraum festgelegt werden. Tarifverträge enthalten diese meist bereits und beschreiben konkret, in welchem Rahmen die regelmäßige Arbeitszeit flexibel abzuleisten ist.

    Einhaltung gesetzlicher Ruhezeiten beim Zeitausgleich


    Ebenso gelten bei Arbeitszeitkonten das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und das Mindestlohngesetz (MiLoG). Das hat für Arbeitnehmer, die ein Arbeitszeitkonto führen, einige Vorteile: So darf etwa beim Zeitausgleich, der etwa bedingt ist durch saisonale Unterbeschäftigung, anschließend die Höchstarbeitszeit nicht überschritten werden, um Minusstunden auszugleichen. Darüber hinaus fällt die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten in diesen Bereich.

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    Welche Vorteile und Nachteile hat ein Arbeitszeitkonto?


    Aus der Vergangenheit kennt man den Arbeitstag ja eher als starres Gebilde: Jeden Tag 8 Stunden ins Büro, von 9 Uhr bis 17.30 Uhr (einschließlich Pause), vielleicht sogar mit Gleitzeit. Der Arbeitgeber wusste bei dieser Regelung genau, wann welche Arbeitsleistung erbracht wird, während der Arbeitnehmer wusste, wann er zu arbeiten hat. Ein Arbeitszeitkonto löst dieses Gerüst ein Stück weit auf und kann Vorteile und Nachteile für den Arbeitgeber wie auch den Arbeitnehmer haben

    Arbeitszeitkonto: Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer


    Das Führen eines Arbeitszeitkontos sorgt für eine steigende Mitarbeiterzufriedenheit, weil deutlich flexibleres Arbeiten möglich ist. So ist beispielsweise auch eine Zeiterfassung im Homeoffice mit dem richtigen Zeiterfassungs-Tool umsetzbar. Die eigenständige Arbeitszeitgestaltung ermöglicht es, Zeiten anzusparen und diese dann auszugleichen, wenn mal ein privater Termin zwischendurch anfällt. Allerdings kann es auch passieren, dass der Arbeitgeber in Zeiten der wirtschaftlichen Flaute Freizeit befiehlt, um das Zeitkonto wieder auf Null zu setzen. Insgesamt sollte Einigkeit darüber herrschen, wie Überstunden ausgeglichen werden, um Ärger zu vermeiden.

    Arbeitszeitkonto: Vor- und Nachteile für Arbeitgeber


    Ein Arbeitszeitkonto erhöht zunächst einmal die Bürokratie im Unternehmen. Wo Arbeitnehmer ihre Zeiten freier auswählen können, ins eben mehr Koordination vonnöten, um alle neuralgischen Stellen ständig zu besetzen und Löcher zu stopfen. Andererseits macht die Regelung Angestellte glücklicher und sorgt für eine Steigerung der Zufriedenheit und Motivation. Davon profitiert das Unternehmen. Ebenso ist derart flexibles Arbeiten dazu geeignet, Mitarbeiter je nach Bedarf ins Unternehmen zu beordern oder Freizeit anzuordnen, wenn sie gerade nicht benötigt werden.

    Wie viel Zeit darf man auf einem Arbeitszeitkonto verbuchen?


    Das Arbeitszeitgesetz sieht eine maximale Arbeitszeit von 8 Stunden binnen eines Tages (24 Stunden) vor. Bei 5 Arbeitstagen (Montag bis Freitag) sind das 40 Stunden pro Woche. Durch den gesetzlichen Ausgleichszeitraum der Höchstarbeitszeit ist es nach § 3 Satz 2 des Arbeitszeitgesetzes möglich, die tägliche Arbeitszeit auf 10 Stunden zu verlängern, aber nur, wenn innerhalb 6 Monaten (24 Wochen) die Arbeitszeit trotzdem durchschnittlich maximal 8 Stunden beträgt.

    Bis zu 192 Überstunden binnen eines halben Jahres


    Somit ist eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden gesetzlich einwandfrei, weil ja auch der Samstag ein Werktag ist. Auf diese Weise ist es möglich, in einem halben Jahr bis zu 192 Überstunden auf dem Arbeitszeitkonto zu verbuchen. Die Anzahl der Minusstunden, die erlaubt sind, sind individuell vom Arbeitgeber festzulegen.

    Fazit


    Wer ein Arbeitszeitkonto führt, wird als Arbeitgeber wie auch als Arbeitnehmer bald die vielen Vorteile, aber auch einige Nachteile feststellen. Wichtig bei der Einführung einer solchen Regelung ist es, dass die geltenden Arbeitsgesetze eingehalten werden und bei der Umsetzung für beide Seiten die Vorteile überwiegen. Das funktioniert jedoch nur, wenn jeder eventuelle Streitfall im Vorhinein durch entsprechende Klauseln im Arbeitsvertrag, der Betriebsvereinbarung oder dem Tarifvertrag festgehalten

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